Sonntag, 29. Juli 2012

Die Prophezeiung Kapitel 21 ( Spionage an zwei Fronten)


Urgandel im Hunderundviertzigsten Mondzyklus nach der Besetzung: Blutmond

Es war kalt und auf dem am Boden liegenden Laub hatte sich Raureif gebildet. Tenebris hatte sich mit ihrer Gruppe vom Tross getrennt und die Reise zum Nördlichen Gebirge angetreten. Arwenie und ihre Schwester Derwie ritten mit ihren Partnern Silèda und Vàngarl.  Sie hatten den größten Teil der Strecke hinter sich gelassen, als es nicht mehr möglich war den Söldnern aus dem Weg zu gehen. Sie schlugen ein Lager auf und berieten sich. 

Tenebris reichte jeder Zwergin kurze Dolche, die sie in ihren Ärmeln verstecken konnten, dazu kamen Schlagringe und Schlafpulver. „Hört zu, wir sind nun sehr nahe und wir würden nur auffallen wenn wir weiter reiten.“ Sie zeichnete mit ihrem Messer eine Karte in den Sand. „Wir werden die Söldner angreifen und aufschrecken. Wenn wir uns zurück ziehen werden sie uns folgen. Das gibt euch Zeit, über die Bäume an ihnen vorbei zu schleichen.“ Die Albin wandte sich an die beiden Schattenelben. „Ihr werdet nur im Notfall kämpfen oder um euch zu verteidigen, die Zwerginnen müssen unverletzt in die Festung gelangen. Ist das geschehen, sucht euch ein Versteck.“ Dann schaute sie die beiden Schwestern an. „Ihr versucht so viel wie möglich zu erfahren. Wer der Schmied ist und wer die Waffen kauft. Wenn ihr die Information habt, geht sofort zu den Schattenelben und kehrt zu uns zurück.“

Dann ging es los, Tenebris griff mit den Schattenelben die Herberge an und lockte die Söldner fort. Arwenie und ihre Schwester klammerten sich an den Rücken ihrer Partner und ließen sich die Bäume hoch tragen. Die Schattenelben sprangen geschickt von einem Ast auf den anderen, von Baum zu Baum, doch bald mussten sie stoppen. Sie konnten den Eingang zu den Felsen sehen, doch nicht weit entfernt lagerte eine Gruppe Söldner. Nur ein Mann hielt Wache und sein Gestank drang bis in die Baumkrone. 

Silèda flüsterte Arwenie etwas zu und die Zwergin nickte. Die Schattenelbin löste einen Strick, den sie sich um die Taille gebunden hatte und band ein Ende um den Knöchel der Zwergin. Dann schaute sie zu dem Söldner, nahm maß, wickelte sich den Strick um ihren Arm und hielt es fest. Sie nickte Arwenie zu, die daraufhin ihre Dolche zog und den langen Ast entlang lief. Als sie das Ende des Astes erreicht hatte ließ sie sich in die Tiefe fallen und schwang auf den Söldner zu.

Der Mann schaute in den dichten Wald. Er langweilte sich und hoffte auf die baldige Ablösung. Plötzlich huschte ein Schatten an seinem Gesicht vorbei, ein Geräusch war zuhören als wenn jemand mit der Sichel Grass schnitt. Der Mann stand wie versteinert da, in seinem Gesicht spiegelte sich Staunen und Unglaube. Die Weigerung zu akzeptieren was gerade geschehen war. Er fasste sich an den Hals, hob die Hand vor sein Gesicht und schaute auf das frische Blut, das sein eignes war. Mit einem leisen Gurgeln sank der Söldner tot zu Boden.

Die vier schlichen auf leisen Sohlen zum Eingang der Felsen. “Hier trennen sich unsere Wege. Wenn ihr Informationen habt kommt einfach hier her, wir finden euch dann schon.“ sagte Silèda und nahm die Zwergin in die Arme. Auch Vàngarl verabschiedete sich von Derwie, er umarmte sie und gab ihr einen Kuss auf die Wange. „Viel Glück, kleine Schwester.“ sagte er leise und Derwie musste lächeln. Die Zwerginnen liefen durch die Felsen hindurch. Auf halben Weg wechselten sie ihre Kleidung und versteckten ihre Rucksäcke in einer Nische. Als sie das Tor erreicht hatten, riefen die Wachen von den Wehrgängen ihnen zu. „Halt, wer da!!!“ Derwie ergriff das Wort: „ Ich bin Derwie und das ist meine Freundin Arwenie. Zwei Jungzwerge hatten uns gesagt dass sie sich mit uns treffen wollten, aber die Feiglinge sind nicht gekommen.“ Der Zwerg auf den Palisaden lachte. „Ja so sind manche, wenn es ernst wird kneifen sie. Zum Glück ist mein Sohn nicht so ein Blumenpflücker.“ Das Tor öffnete sich und die Schwestern traten ein, der erste Teil des Planes war erfüllt.

Die Gruppe hatte einige Dörfer hinter sich gelassen und konnte am Horizont die Türme von Burinda erkennen. Fortingas erklärte, das sie ohne Verkleidung nicht in die Stadt gehen konnten. Tyrella war aufgefallen, dass der Nachtalb sich verändert hatte seid Calseha aufgetaucht war. Wenn es darum ging Holz zu holen, war er sofort los gerannt und kam mit schweren Stämmen zurück. 

Der Nachtalb meinte dass sie auf ihn warten sollten und verschwand. Bei Sonnenuntergang kam er zurück, die Arme voll Kleider. Fortingas meinte, dass es am sichersten sei wenn die Zwerge als Kinder verkleidet in die Stadt gingen. Wallungur brummte, aber stimmte schließlich zu. Doch als der Nachtalb sagte, dass der Bart abrasiert werden müsse, hob der Zwerg die Axt und drohte ihm die Ohren ab zu schneiden.
Tief in der Nacht betraten sie die Stadt. Fortingas hatte sich einen Kapuzenumhang über geworfen, der seine Ohren verdeckte. Wallungur trug eine Dicke Wolljacke und eine Mütze, dazu einen Schal der seinen Bart verbarg. Tyrella hatte ein geblümtes Kleidchen an, den Bauch hatte sie mit Grass ausgepolstert damit ihre Brüste nicht auffielen. Klondieke trug ein blaues Kleidchen mit Rüschen am Hals und die Haare waren mit Holzkohle schwarz gefärbt. Als sie in der Nähe des Marktes waren, schlug Fortingas vor sich zu trennen. „Calseha, du gehst mit Tyrella und Klondieke, Dolsahra du kommst mit Wallungur und mir. Wir suchen einen Mann namens Duras.“ Der Nachtalb wollte die Base bei sich haben, denn er traute ihr nicht.

Tyrella und Calseha liefen durch die Gassen und suchten nach einem Haus, wo sich der gesuchte aufhalten könnte. Plötzlich sprang ein Mann aus der Dunkelheit und bedrohte sie mit einem Messer. „Her mit eurem Geld oder ich schneide euch die Kehlen durch!!“ sagte er mit dumpfer Stimme. Calseha schwor, das sie kein Geld hatte, doch der Dieb glaubte ihr nicht. Mit erhobenem Messer machte er einen Schritt auf die junge Frau zu. „Dein Geld oder ich töte deine Kinder.“ drohte er. Tyrella sprang vor und schlug ihm mit der Faust ins Gemächt. Der Mann jaulte auf und ließ das Messer fallen. Tyrella setzte nach und trat ihm gegen die Kniescheiben, das er umknickte. Die Zwergin warf den Dieb bäuchlings zu Boden, setzte sich auf ihn und faste ihn bei den Ohren. Sie schlug den Kopf des Mannes immer wieder auf das Kopfsteinpflaster und schrie dabei: „Dir werde ich lehren wehrlose Frauen um das wenige Geld berauben zu wollen.“ Calseha versuchte die Zwergin zu beruhigen, doch Tyrella war so in Rage das sie nichts hörte.

Wallungur und der Alb hörten den Lärm und erkannten Tyrellas Stimme. Sofort liefen sie los um der Zwergin bei zu stehen. Als sie den Schauplatz des Geschehens erreichten, blieb Fortingas mit offenem Mund stehen und legte den Kopf schief. Der Nachtalb hatte sich schnell gefangen und versuchte die Zwergin von dem Mann herunter zu holen, doch sie ließ nicht los. Er legte seine Arme um ihren Leib und riss sie fort. Tyrella strampelte und schlug um sich. „Sei ruhig!!“ rief er. Die Zwergin erkannte die Stimme und beruhigte sich etwas. Doch als sie merkte in welcher Lage sie sich befand begann sie von neuem. „Lass mich runter und Finger weg vom Gemüse!!“ Nun sah Fortingas erst wo er seine Hand hatte, mit rotem Kopf setzte er die Zwergin auf die Erde.

„Wir sollten nicht auffallen.“ meinte Wallungur. Doch die Zwergin zeigte mit dem Daumen hinter sich. „Erzähl das dem da…“ sie stockte, denn ein hohles Klopfen war zu hören. Sie drehten sich um und sahen Klondieke, die auf dem Dieb saß und seinen Kopf auf den Boden schlug. Dabei lächelte sie stolz zu Tyrella. Dolsahra lief zu dem Kind und zog es von dem Man herunter. „Nun reicht es aber, ihr Zwerge habt einen schlechten Einfluss auf das Kind. Schluss damit!!“ schimpfte sie und wollte Klondieke die Eisenringe aus den Haaren ziehen. Das Mädchen wehrte sich, lief zu Tyrella und versteckte sich hinter ihr. „Was hast du denn?“ fragte Fortingas. „Nun hat sie gelernt wie sich gegen Diebe wehren muss!“ Bei dieser Bemerkung konnte sich die alte Frau nicht mehr halten. „Sie braucht sich nicht zu wehren, irgendwann lässt sie jeden Köpfen der ihr nicht…“ Alle schauten sie an. „Was meinst du damit?“ fragte Wallungur. „Nicht so wichtig.“ winkte sie ab, zusammen gingen sie weiter. Der Dieb blieb zurück. Er atmete schwer und wimmerte leise. „Hilfe.“
Raziael/Überarbeitung: Rina Smaragdauge

Donnerstag, 26. Juli 2012

Sonntag, 22. Juli 2012

Die Prophezeiung Kapitel 20 (Die schöne und die böse Tante)

Urgandel im Hundertundviertzigsten Mondzyklus: Fürstentum Urlandis

Der Herbst war im Anmarsch und ließ die Nächte kühler werden. Wallungur und Tyrella sammelten Kastanien und Nüsse, der Alb war nur für die Jagd zu gebrauchen, ansonsten ließ er sich gern bedienen. Die Zwergin machte sich Sorgen um Klondieke, das Mädchen sah schwach aus. Im Sommer hatte sie ihm Taubeneier zu Essen gegeben, doch die Brutzeit war vorbei und das Kind brauchte gesunde Nahrung. Das tägliche Fleisch gab dem Kind nicht was es zum Wachsen brauchte.

Sie durchquerten einen Wald, als Tyrella stehen blieb. „So geht das nicht weiter. Seht euch das Kind an, sie ist schwach, sie braucht Milch." Fortingas zuckte mit den Schultern. „Und wo sollen wir welche herbekommen? Wir haben kein Geld um welche zu kaufen." Die Zwergin tadelte ihn mit einem spöttischen Blick. „Natürlich nicht. Aber du bist ein Nachtalb, ihr nehmt euch doch alles ohne zu fragen. Also geh und besorge eine Ziege, in der Nähe des Flusses muss es doch eine Niederlassung geben." Fortingas machte ein beleidigtes Gesicht. „Ist ja gut, ich geh ja schon. Vielleicht kann ich mir auch Stäbchen besorgen, dann könnt ihr mal sehen wie normale Leute essen." Der Alb wandte den Zwergen den Rücken zu und lief los. Wallungur rief ihm nach, ob er auch wüsste wie eine Ziege aussieht. Doch Fortingas winkte ab und war in den Bäumen verschwunden.

Der Zwerg machte ein Feuer und begann Kastanien zu rösten, Klondieke half Tyrella die Nüsse auf zu brechen. Bald kehrte Fortingas zurück und führte an einem Strick eine Ziege mit sich. Die Zwergin klatschte in die Hände. „Da haben wir ja etwas gefunden das du kannst." rief sie und holte eine Holzschale aus ihrem Rucksack. Sie kniete sich neben dem Tier auf die Erde und wollte beginnen das Tier zu melken, als sie inne hielt und den Nachtalb streng anstarrte. „Ich nehm alles zurück. Du bist dümmer als ein Esel." Fortingas bückte sich und schaute auf den Bauch des Tieres. „Was ist denn nun wieder falsch? Das ist doch eine Ziege?" fragte er verwundert. „Das ist ein Ziegenbock! Ein männliches Tier. Nur weibliche Tiere geben Milch!!!" Während sie dies sagte, zitterte die Schale in ihrer Hand. Wäre sie groß genug gewesen hätte sie ihm das Gefäß auf den Kopf geschlagen. 

„Beruhigt euch." versuchte Wallungur die beiden zu beschwichtigen. „Wenn es keine Milch gibt können wir den Bock immer noch essen, bis dahin hat er eine andere Aufgabe." Mit diesen Worten nahm er Klondieke und setzte sie auf den Ziegenbock. Das Mädchen hielt sich an den Hörnern fest und lachte vergnüglich. „Na siehst du? Es war doch nicht ganz falsch." sagte Fortingas und gab dem Bock einen Klaps. Das Tier blökte und lief los. Das letzte was die drei sahen war das Hinterteil eines Ziegenbockes, der im Dickicht verschwand, mit Klondieke auf seinem Rücken. Wallungur warf sich die Kapuze über und tauchte ins Gebüsch, Fortingas war mit drei Sprüngen in einem Baum und nahm die Verfolgung über die Baumkronen auf. Tyrella folgte Wallungur, musste aber immer wieder stoppen weil sich ihre Haare in Dornensträuchern verfingen. Wallungur schaute unter seiner Kapuze hervor und sah das Ende des Waldes. Nahe dem Fluss konnte er den Bock sehen auf dessen Rücken immer noch Klondieke saß, doch sie war nicht allein. Er zog seine Axt und stürmte voran. 

Die junge Frau legte die Pilze in ihre Tasche. Sie schaute in die Ferne und überlegte, ob es im Wald bessere Pilze geben könnte, als sich ihr Blick auf einen Ziegenbock richtete. Doch nicht das Tier war ungewöhnlich, sondern das Kind das auf ihm saß. Sie ging näher heran, der Bock war außer Atem und das Kind hüpfte auf ihm herum und lachte. „Hey wer bist du denn? Bist du mit deinen Eltern hier?" Das Mädchen, das wie ein Zwerg gekleidet war, machte ein ängstliches Gesicht und begann zu schreien: „Ella, Ellaaa, Walluuu!!!" Die junge Frau begriff nichts und versuchte das Kind zu beruhigen, als das Knacken von Ästen sie aufschrecken ließ. Ein Zwerg, die Axt schwingend kam auf sie zu gerannt und forderte sie auf das Kind in Ruhe zu lassen. Kurz danach erschien eine rothaarige Zwergin, die sich unter wilden Flüchen Grünzeug aus den Haaren rupfte. Als dann noch ein Nachtalb hinter ihr stand und sie mit seinen roten Augen anschaute, war alles vorbei. Mit einem leisen Stöhnen fiel sie in Ohnmacht. Fortingas schaute Tyrella an und sagte: „Du hast sie erschreckt."

Die drei standen um die Frau herum und starrten sie an. „Was machen wir mit ihr?" fragte die Zwergin. „Wir nehmen sie mit." bemerkte Wallungur. Er fasste den Fuß der Frau und wollte sie mit schleifen, doch der Alb protestierte. „Was machst du da? Sie ist doch kein erlegtes Schaf!!" Er hob sie vom Boden auf und trug sie auf den Armen. Zurück im Lager weckten sie die Frau mit leichten Ohrfeigen. Als sie die Augen aufschlug wollte sie gleich wieder schreien, doch Tyrella beruhigte sie. „Du musst keine Angst haben, niemand wird dir etwas antun." 

Die Frau schaute sich ängstlich um, besonders der Nachtalb flößte ihr Furcht ein. Sie zeigte auf ihn. „Du wirst gesucht, auf deinem Kopf ist ein Preis ausgesetzt, weil du Kinder entführt hast." Dann schaute sie die Zwerge an. „Machen die Zwerge etwa gemeinsame Sache mit den Nachtalben?" Alle schauten die Frau verständnislos an. Dann begann Tyrella zu reden: „Zum ersten, so wenig ich das Langohr auch mag, aber er hat sicher kein Kind gestohlen, denn er wüsste nicht was er damit anfangen sollte. Zweitens, ehrbare Zwerge würden niemals mit den Nachtalben gemeinsame Sache machen!" Die Frau schaute ungläubig zu Klondieke, die sich dicht an die Zwergin drängte. „Und wer ist die Kleine?" fragte die Fremde. „Das ist mein…" doch Tyrella stockte in ihrem Satz, dann sagte sie: „Dieses Mädchen hat der Zwerg, allein und verwahrlost auf offenem Feld gefunden."

Die junge Frau schaute ungläubig. „Aber diese Gerüchte habe ich von Menschen gehört, nicht von den Nachtalben. Sie suchen dieses…" Die Frau stockte, jemand rief ihren Namen. „Calseha? Ist das dein Name?" fragte Wallungur, die Frau nickte. Fortingas war sogleich verschwunden und kam mit einer älteren Frau wieder. „Lass sie los, das ist meine Base Dolsahra!!"

Calseha erklärte ihrer Base in kurzen Worten was geschehen war, jedoch hatte diese nur Augen für Klondieke. Sie nahm ihre Nichte am Arm und sagte sie müsse kurz mit ihr reden, im leisen Ton sprach sie auf die junge Frau ein: „Wir müssen in die Stadt kommen und zu dem Vogt sagen wo sie sind, dann werden wir reich." Doch Calseha verneinte. „Aber schau doch, das Kind zeigt keine Furcht. Es scheint nicht widerwillig bei den Zwergen und dem Alb zu sein." Dolsahra winkte ab. „Das Kind müssen wir an uns bringen, die Nachtalben suchen es. Diese silbernen Haare hatte nur ein Mensch in Urgandel, unsere Königin. Wenn wir es geschickt anstellen können wir die Armut hinter uns lassen, wir müssen nur richtig mit den Nachtalben verhandeln."

Calseha erschrak bei den Worten. „Nein, das kannst du nicht ernst meinen. Ich werde nicht zulassen das du dieses Mädchen an die Nachtalben auslieferst und nur die Haare sind kein Beweis für die königliche Abstammung." Sie wandte sich von ihrer Base ab und ging zu den Zwergen. Nachdem sie berichtet hatte, dass Klondieke von den Nachtalben gesucht wurde, schauten alle Fortingas an.
„Hört zu, ich habe sie beschützt falls ihr das schon vergessen habt!!? protestierte er und Tyrella hob schlichtend die Arme. „Was weißt du darüber? Oder hast du jemals etwas von dieser Sache gehört?" fragte die Zwergin. Er zuckte mit den Schultern. "Aber in Burinda ist jemand, den wir darüber ausquetschen könnten."

 Die Zwerge stimmten zu. Nach einer kurzen Mahlzeit machten sie sich auf den Weg. Dolsahra wollte Klondieke an die Hand nehmen, doch das Kind weigerte sich und ging mit Tyrella. Fortingas bemerkte den wütenden und neidischen Blick der alten Frau, doch wusste er nichts damit an zu fangen.
Raziael/Überarbeitung: Rina Smaragdauge

Sonntag, 15. Juli 2012

Die Prophezeiung Kapitel 19 ( Die Ausbildung der Zwerginnen)

 Urgandel im Hundertneununddreissigsten Mondzyklus, Offenes Feld

Nach zwei Tagen war Derwie aufgewacht. Obwohl sie sich verbissen wehrte, schaffte Ephaistra es ihr den Tee ein zu flössen. Arwenie war immer dabei und versuchte ihrer Schwester gut zu zureden, musste sich aber oft schlimme Beleidigungen von Derwie anhören. Tenebris hatte angeordnet sich auf die Reise in den Norden vorzubereiten. Dafür hatte sie sechs Schattenelben ausgewählt, darunter Silèda.

Eurealè unterstützte Tenebris und trainierte mit den Schattenelben das lautlose Töten und Bogenschießen. Die Nachtalbin war streng, denn Tenebris wollte so schnell wie möglich aufbrechen. Der Rest des Trupps sollte weiter nach Pistrana und Informationen sammeln. Nach einer Trainingsstunde holte Silèda die beiden Schwestern in ihr Zelt, Derwie war noch schwach auf den Beinen und wurde von einem jungen Schattenelb getragen. Silèda ging zu ihrem Feldbett und zeigte auf zwei schwarze Ledergarnituren. „Das ziehe ich nicht an!" protestierte Derwie, dabei schüttelte sie so heftig den Kopf  das ihre blonden Zöpfe dem Jungen ins Gesicht schlugen. „Aber wir werden meist nachts unterwegs sein und wir müssen unsichtbar bleiben. Außerdem müsst ihr lernen mit dem Bogen um zu gehen." Arwenie hob abwehrend ihre Hände. „Wir sind Zwerge, wenn wir kämpfen, dann mit Äxten. Hinterhältiges Morden ist nicht unsere Art."  Derwie stimmte ihr nickend zu. Die Schattenelbin rollte genervt mit den Augen. „Ok das sehen wir dann, aber zieht euch erst einmal die Lederrüstungen an, die gar nicht so unbequem sind wie sie aussehen."

Während die beiden Schattenelben vor dem Zelt warteten, kleideten sich die Schwestern um. Hin und wieder hörte man ein lautes Fluchen von Derwie. Als die Zwerginnen fertig waren, schaute Silèda durch den Vorhang. „Wenn die Ohren nicht wären, könnte man euch für echte Schattenelben halten." lachte sie, was beiden Schwestern eine strenge Miene aufsetzen ließ. 

Nach zwei weiteren Tagen konnte Derwie wieder auf eignen Beinen stehen. Silèda führte die zwei zu den Pferden. Sie wies jedem ein Tier zu. „Das sind die kleinsten die wir haben." sagte sie und begann ihnen zu lehren wie man ein Pferd sattelt. Dann mussten sie auf die Tiere steigen und Silèda erklärte was zu tun sei. „Nun drückt eure Fersen in die Flanken des Tieres, aber nur leicht. Je fester der Druck, umso schneller galoppiert es. Zum Lenken benutzt die Zügel." Arwenie versuchte es als erste. Sie übte einen leichten Druck aus doch nichts geschah. „Lauf, dummer Klepper!!" knurrte sie und trat dem Tier in die Flanken. Das Tier wieherte und galoppierte los. Silèda schlug sich die Hand an die Stirn und schüttelte genervt den Kopf. Dann gab sie einem Schattenelben ein Zeichen damit er los ritt und die Zwergin zurück brachte.  Derwie gelang es besser das Pferd zu lenken und im Zaum zu halten. Auch konnte sie sich im schnellen Trab gut im Sattel halten. Was nach Silèdas Meinung daran lag, das Derwie einfühlsamer war. Bei Sonnenuntergang schafften es die Schwestern mit der Schattenelbin Schritt zu halten.

Am nächsten Morgen gingen Tenebris, Silèda und die Zwerginnen an den Schiesstand. Dort waren Holzpuppen aufgestellt, die aus umgestürzten Bäumen gefertigt waren. Tenebris reichte jeder Zwergin einen Bogen, der eigens für sie angefertigt worden war und einen Köcher mit Pfeilen. Dann begann das Training. Die Schwestern schossen Pfeil auf Pfeil, doch konnten sie keinen in sein Ziel bringen, wie sehr Tenebris sich bemühte es ihnen zu lehren. Irgendwann warf Arwenie ihren Bogen weg und ging zu einem Hackklotz in dem ein Beil steckte. Sie zog es aus dem Klotz und ging zurück zu den anderen. Sie peilte ihr Ziel kurz an und schleuderte die Axt auf die Holzpuppe. Das Beil drehte sich um die eigne Achse und blieb im Kopf der Puppe stecken. „Habt ihr das gemeint mit gut Zielen?" knurrte Arwenie und grinste Tenebris trotzig an. „Ja so ungefähr." erwiderte die Nachtalbin missgelaunt. Wohl oder übel musste sie einsehen, dass Zwerge nicht für die Handhabung eines Bogens geboren waren. Es musste eine andere Lösung gefunden werden. Sie musterte Silèda und Arwenie, die neben einander standen. Die Zwergin ging der Schattenelbin bis zur Hüfte. Bei Derwie und dem jungen Schattenelb war es das gleiche, dann kam ihr die Idee.

„Silèda und Arwenie, ihr beiden werdet so viel voneinander lernen wie ihr könnt. Ihr müsst denken und handeln wie eine Person."  Dann zeigte sie auf Derwie. „Du wirst dich mit Vàngarl zusammen tun." Dabei nickte sie dem jungen Mann neben ihr zu. „Für euch gilt das gleiche und ihr müsst es schaffen mit den Zwergen auf eurem Rücken zu Rennen, schleichen und zu klettern. Ihr habt fünf Tage Zeit."
Den beiden Schwestern behagte das gar nicht. Besonders Derwie missfiel es, dass sie dem Mann zugeteilt worden war, doch waren sie sich bewusst dass sie die Schattenelben brauchten um ins Nördliche Gebirge zu gelangen. Noch am selben Abend begann sie mit dem Training. Vàngarl war sehr anhänglich, was Derwie misstrauisch machte. Beim Essen setzte er sich neben sie, stellte unendlich viele Fragen und hatte sogar eine Knoblauchpaste angerührt um ihre Warzen zu behandeln. Silèda stellte fest, dass Zwerge wirklich für den Nahkampf gemacht waren. Sie war Arwenie zwar an Größe überlegen, doch wenn sie sich abends entkleidete und die blauen Flecke an den Knien und den Armen sah, musste sie zugeben das die Zwergin ziemlich austeilen konnte.

Dann war es soweit das sie gegen andere kämpfen konnten. Silèda hatte einen Schattenelb als Gegner ausgesucht, der sie selbst um zwei Köpfe überragte. Arwenie hatte sich einige Dinge eingesteckt, die sie von Tenebris bekommen hatte, jedoch hatten alle nur Holzschwerter. Eurealè gab ein Zeichen und der Kampf begann. Der Mann griff an und deckte Silèda mit schweren Hieben ein, doch dann machte sie einen Seitenschritt. Der Schattenelb sah eine Möglichkeit und wollte auf den ungedeckten Kopf schlagen, als ein Schmerz durch seine Beine ging. Arwenie hatte ihren Angriff gestartet. Der Elb wollte sie treten, doch Silèda schlug ihn ins Gesicht und brachte ihn aus dem Gleichgewicht. Nun zog die Zwergin eine Schnur aus dem Ärmel. Während der Elb damit kämpfte nicht zu fallen und die Hiebe von Silèda abwehrte, sprang Arwenie um ihn herum und fesselte seine Knöchel. Der Elb stürzte, Silèda sprang auf ihn und hielt ihm das Holzschwert an seine Kehle. Auch Derwie und Vàngarl bezwangen ihren Gegner. Tenebris lobte sie: „Das war sehr gut, ihr seid soweit. Morgen geht es los."

Am nächsten Morgen, noch bevor die Sonne aufging, ritten sie in Richtung Norden. Alle waren zuversichtlich und voller Tatendrang. Jedoch das schwerste würde sein, den Waffenhändler zu finden und sein Vertrauen zu gewinnen.
Raziael/Überarbeitung: RinaSmaragdauge

Sonntag, 8. Juli 2012

Die Prophezeiung Kapitel 18 ( Das erste Bündnis)

Urgandel im Hundertneununddreißigsten Mondzyklus nach der Besetzung: Region Urlandis.

Tenebris, Ephaistra und Eurealè hatten sich in das Versteck der Schattenelben begeben. Dort hatten sie beraten wie sie gegen die Nachtalben vorgehen sollten. Die einzige Möglichkeit war zusammen mit den Rebellen zu kämpfen. Doch um diese zu überzeugen, brauchten sie das Kind, den letzten Nachkommen des Königs und dafür mussten sie Fortingas finden. Jedoch das schwerste würde sein, die drei Zwergenstämme zu überzeugen an ihrer Seite zu Streiten. Während Tenebris mit zwanzig anderen Schattenelben  in Richtung Pistrana ritt, versuchte sie eine Lösung für ihre Probleme zu finden und sie miteinander zu verbinden, doch es schien unmöglich.

Ein Reiter kam auf die Gruppe zugeritten. Er gehörte zu der Vorhut die ausgesandt worden war um nach feinden Ausschau zu halten. Der Schattenelb wandte sich gleich an Ephaistra. „Wir haben zwei Personen auf einem Pferd ausgemacht. Aber…" Ephaistra schaute den Mann fragend an. „Was aber? Los Rede." Der Mann richtete sich in seinem Sattel auf. „Es sind Zwerge. Zwei Frauen und eine von ihnen trägt keine Beinkleider." Der junge Schattenelb bekam einen roten Kopf als er dies sagte. „ Überaus informativ." spottete Ephaistra, die langsam ungeduldig wurde. „Sage mir. In welche Richtung reiten sie? Über welche Bewaffnung verfügen sie? Und was wirklich wichtig ist, sind sie auf der Flucht oder suchen sie etwas? Das ist es, was wir wissen müssen." warf Tenebris ein um die Sache voran zu treiben. Wieder begann der Junge zu reden. „Sie scheinen auf der Flucht zu sein und so wie sich die beiden an das Tier klammern können sie nicht Reiten. Beide sind unbewaffnet wie es scheint und sie reiten direkt auf den Fluss zu. Doch ich glaube nicht das die alte Brücke das Gewicht halten wird." Tenebris schaute zu Ephaistra. „Wir holen uns die beiden, vielleicht können wir mit deren Hilfe mit den Zwergen verhandeln." Dann suchte sie vier weitere Schattenelben mit blauen Augen aus und wies sie an ihr zu Folgen.  Die Albin drückte ihre Fersen in die Flanken des Pferdes und galoppierte los, die anderen folgten ihr.

Bald waren die beiden Frauen in Sicht, das Pferd hielt auf die Brücke zu. Tenebris trieb ihren Hengst an und war neben den Zwerginnen, die sich mit zugekniffenen Augen an dem Tier festhielten. In der Mähne des Pferdes konnte die Albin erbrochenes erkennen, sicher hatte sich eine der Frauen wegen dem Schaukeln übergeben müssen. Tenebris ergriff mit einer Hand die Zügel des Pferdes, mit der anderen stoppte sie ihr eignes. Kurz vor der Brücke kamen beide Tiere zum stehen. Die beiden Zwerginnen keuchten und ihre Gesichter waren bleich. Besonders Derwie litt an ihren Verletzungen. Zwei Schattenelben holten die Frauen vom Pferd herunter und setzten sie auf die Erde.

Arwenie kam schnell wieder zu sich. Als sie merkte, dass sie und ihre Schwester in die Hände von Langohren geraten waren, erschauerte sie. Angestrengt dachte sie nach wie sie flüchten könnten, doch der Zustand von Derwie hatte sich verschlechtert und Arwenie würde ihre Schwester nicht zurück lassen. Die Albin mit den roten Augen sank auf ein Knie, schaute Arwenie in die Augen und fragte: „Aus welchem Gebirge stammt ihr? Warum seid ihr nur zu zweit? Und wo wollt ihr hin?" Die Stimme der Albin machte der Zwergin Angst, doch sie versuchte es sich nicht anmerken zu lassen. „Wir stammen aus dem Süden und suchen einen…" sie schaute kurz auf ihre Hände und fand die Antwort. „Wir suchen einen Platz wo wir in Frieden sterben können. Weil wir unheilbar krank sind wurden wir verstoßen." Sie streckte der Albin ihre Hand entgegen. „Seht ihr das?! Wenn ihr uns berührt werdet ihr alle bald sterben." Die Albin fasste die Hand der Zwergin und lächelte. „Sterben wirst du sicher irgendwann, aber nicht so bald und deine Warzen solltest du mit Knoblauch behandeln." Die Albin schaute zu Derwie, deren Atem schwach war. „Jedoch deine Freundin scheint auf dem Weg in die andere Welt zu sein, sie braucht schnell Hilfe." Die Albin gab ein Zeichen und alle machten sich bereit. Eine Frau mit weißen Haaren schaute Arwenie an. „Hab keine Furcht, es wird alles gut." Erst jetzt bemerkte die Zwergin, dass die anderen Albe blaue Augen hatten. Die Frau mit den blauen Augen setzte sich zusammen mit Arwenie auf ein Pferd, die Albin mit den roten Augen nahm Derwie mit sich. Im wilden Galopp preschten sie los.

Ephaistra sah Tenebris zurück kehren. Sie erkannte auch dass sie nicht allein war. Die Schattenelbin gab ein Zeichen und der Tross stoppte. Tenebris zügelte ihr Pferd und zeigte auf die Zwergin. „Sie hat Wundbrand und braucht sofort Hilfe." Ephaistra nickte. Der Tross steuerte eine Baumgruppe an und schlug ein Lager auf. Tenebris brachte Derwie in ein Zelt. Arwenie wollte ihr folgen, wurde aber von der Frau mit den blauen Augen aufgehalten. „Du kommst mit mir, es bringt nichts wenn du der Heilerin im weg stehst. Lass uns erst mal anständige Kleider suchen, oder laufen Zwerge immer ohne Rock herum?" Die Zwergin wollte protestieren, wusste aber dass es keinen Sinn hatte und ließ sich in ein Zelt führen.

Während die Frau in einer Tasche kramte, fragte die Zwergin: „Was geschieht mit meiner Schwester? Und wer seid ihr? Du bist kein gewöhnlicher Nachtalb."  Die Frau zog einen Umhang aus grobem Stoff aus der Tasche und begann ihn mit ihrem Dolch zu zerschneiden. „Ich bin kein Nachtalb. Ich bin eine Schattenelbin. In meinen Adern fließt das Blut der Nachtalben, jedoch habe ich nicht den Drang andere zu töten. Außer wenn ich mich verteidigen muss. Mein Name ist Silèda und wer bist du?" „Ich bin Arwenie Goldfaust aus dem Clan der Goldfäuste. Die andere Zwergin ist meine Schwester Derwie und ich will sie sehen." sagte die Zwergin mit energischer Stimme. Silèda hatte eine Art Wickelrock aus dem Mantel geschnitten und legte ihn der Zwergin an. Um den Rock an seinem Platz zu halten band sie ihr einen Lederriemen um die Hüfte. „So ist es schon besser. Nun komm, wir schauen nach deiner Schwester." sagte Silèda freundlich und schob Arwenie aus dem Zelt.

Eurealè entfernte die von Blut verschmierten Verbände. Ephaistra drehte angewidert ihren Kopf als ihr ein fauliger Geruch in die Nase drang. „Stell dich nicht so an, Ephaistra. Bei dem was uns bevor steht wirst du noch schlimmeres zu sehen bekommen. Nun geh und bringe Wasser zum Kochen." befahl die Albin. Tenebris mischte Kräuter zusammen und streute sie auf ein Stück glühende Holzkohle, das in einer Tonschale lag. Den Rauch wehte sie der Zwergin zu. Derwie musste husten und versuchte den Kopf ab zu wenden. Doch die Albin hielt ihr den Mund zu und zwang sie den stechenden Rauch zu inhalieren. Nach einigen Minuten des Widerstandes war die Zwergin betäubt. Eurealè tauchte ein Messer in das kochende Wasser und begann damit das eitrige Fleisch weg zu schneiden. Als sie mit der Wunde am Arm fertig war, wies sie Tenebris an die Wunde mit Essig aus zu waschen und zu nähen. Ephaistra half ihr dabei. Eurealè tauchte das Messer erneut in das heiße Wasser und behandelte das Bein. Auch diese Wunde wurde mit Essig gereinigt und  genäht. Während die beiden Albinen sich ausruhten und  die Schattenelbin die Wunden verband, erwachte die Zwergin. Sie griff Ephaistra am Handgelenk und lallte: „ Blongar, die Warze an deinem Linga kommt nicht durch meine Berührung." So schnell wie die Zwergin erwacht war, fiel sie auch wieder in einen tiefen Schlaf. Alle drei Frauen schauten sich mit hochgezogenen Brauen an. Die junge Schattenelbin beendete ihre Arbeit und fragte: „Was ist ein Linga?" Tenebris schaute Hilfe suchend zu Eurealè, doch die hob abwehrend die Hände. „Darüber reden wir später einmal, Mädchen!" sagte die Nachtalbin und entsorgte die alten Verbände und was vom Körper der Zwergin entfernt wurde.  Eurealè hatte sich die Hände gewaschen und verschiedene Teeblätter gemischt. Sie goss heißes Wasser auf die Blätter und zeigte auf eine Sanduhr. „Immer wenn der Sand einmal durch ist, gebe ihr einen Schluck zu trinken. Es wird ihren Körper reinigen. Sollte sie sich widersetzen, zwinge sie es zu trinken."

Arwenie folgte der Schattenelbin, Silèda, durch das Camp. Überall waren langohrige Männer und Frauen damit beschäftigt etwas auf zu bauen. Einige schenkten der Zwergin sogar ein freundliches Lächeln. Arwenie wusste nicht wie sie reagieren sollte und nickte. Noch immer misstraute sie diesen Leuten. Das einzige was sie wollte war ihre Schwester sehen. Silèda blieb vor einem großen Zelt stehen und zog einen Seidenvorhang zur Seite. Derwie lag bewegungslos auf einer Art Tisch. Die Zwergin lief zu ihrer Schwester und ergriff deren Hand. Ihre Haut fühlte sich warm an. Als sie sich dann über sie beugte und den gleichmäßigen Atem spürte, war es als ob eine Last von ihr abfiel. 

„Deine Schwester ist noch sehr schwach, sie braucht Ruhe und die Hilfe eures Gottes. Nimm dir Zeit und sprich ein Gebet, danach erwarten wir dich in unserem Zelt." Arwenie wendete ihren Kopf um zu schauen wer zu ihr gesprochen hatte und sah in zwei tiefrote Augen. Es war die Nachtalbin die ihr Pferd gestoppt und mitgenommen hatte. Neben der Frau stand eine weitere Albin, ebenfalls mit roten Augen. „Mein Name ist Tenebris, das ist Eurealè." sagte die Albin und zeigte auf die Frau neben sich. In ihren schwarzen Lederrüstungen wirkten die beiden Frauen unheimlich und gefährlich. „Wenn du soweit bist wird Silèda dich in unser Zelt bringen. Wir haben viel zu bereden." sagte Eurealè und verließ mit Tenebris das Zelt. Arwenie legte ihren Kopf auf die Brust ihrer Schwester und sandte ein Gebet zu Adamas. Dann gab sie Derwie einen Kuss auf die Stirn und folgte Silèda.

Das Zelt der beiden Frauen war so groß wie ein Haus. Herabhängende Seide teilte es in mehrere Räume. Im größten stand ein niedriger Tisch, umringt von Sitzkissen. Die Stützbalken waren reich verziert und mit Öllampen versehen. Hinter einem blauen Seidenvorhang konnte sie die die Konturen der Frauen erkennen, die sich anscheinend umkleideten. Der Vorhang wurde zur Seite gezogen und die beiden Albinen kamen hervor. Tenebris und Eurealè waren in rot-blaue Gewänder gehüllt. In dieser Kleidung hatten sie ihre Bedrohlichkeit verloren, doch die Zwergin war noch immer auf der Hut. Tenebris bot Arwenie an sich zu setzten. Silèda verschwand hinter einer Seidenwand und kehrte mit Bechern zurück in denen heißer Tee dampfte. Sie verschwand abermals und brachte drei Teller mit gebratenem Fleisch und Gemüsebrei. Die beiden Frauen tranken von dem Tee und begannen zu Essen. Arwenie schaute auf die dampfende Mahlzeit, ihr Magen machte Geräusche wie ein wilder Mudrok,  doch sie traute dem ganzen nicht. Zumal sie nicht wusste wofür die beiden Stäbe gut waren. Eurealè sah das die Zwergin das Essen nicht anrührte. Sie langte über den Tisch und aß von dem Teller der Zwergin und trank von ihrem Tee. Nun war die Zwergin nicht mehr zu halten. Mit ihren von Warzen verunstalteten Händen schob sie sich das Fleisch und Gemüse in den Mund, dann leerte sie in einem Zug den Becher und rülpste laut. 

Tenebris war solch ein Verhalten unbekannt, doch sie ließ sich ihre Empörung nicht anmerken. Stattdessen begann sie das Gespräch; „Nun Arwenie Goldfaust, was machen deine Schwester und du hier in dieser Gegend?" „Was macht ihr hier in dieser Gegend?" stellte die Zwergin eine Gegenfrage. Die Albin atmete genervt aus. „Nun was ich meine ist, ihr seid sicher nicht ohne Grund soweit von eurer Festung entfernt?" Die Zwergin nickte. „Sicher hat es einen Grund, aber sagt erst ihr welcher Grund euch her gebracht hat. Und warum haben diese Albe blaue Augen und was sind Schattenelben?" Tenebris erklärte Arwenie was es mit den Schattenelben auf sich hatte und welche Gefahr diesen drohte. Nun begann die Zwergin von den Vorfällen in und vor der Festung zu berichten. Was Arwenie erzählte machte den beiden Frauen große Sorgen. 

„Wir müssen den Waffenverkauf stoppen!" sagte Eurealè. „Sollten Calister und seine Nachtalben über solche Schwerter verfügen, wird es schwer sie zu schlagen." Tenebris wendete sich an die Zwergin. „Arwenie, könnten du und deine Schwester heraus bekommen wer die Waffen herstellt und verkauft?" Die Zwergin nickte. „Sicher das war unser Auftrag. Aber wenn sich Söldner vor unserer Festung postiert haben, wird es im Norden von ihnen nur so wimmeln." Tenebris schaute der Zwergin in die braunen Augen. „Ich verspreche dir, wir bringen euch sicher hinein und wieder heraus." Die Albin streckte Arwenie die Hand entgegen, mit Vorsicht schlug die Zwergin ein. 
Raziael/Überarbeitung: Rina Smaragdauge

Sonntag, 1. Juli 2012

Die Prophezeiung Kapitel 17 (traurige Erinnerungen)

Urgandel im Hundertneununddreißigsten Mondzyklus nach der Besetzung: Irgendwo in der Nähe des Flusses

Wallungur hatte seine Grenzen erreicht, er ließ die Taschen fallen und sank erschöpft zu Boden. Fortingas hatte die Orientierung verloren und fluchte leise. Tyrella hatte, als ihr Bein nicht mehr schmerzte, darauf bestanden selbst zu laufen jedoch bereute sie es schnell. Humpelnd und mit zusammen gebissenen Zähnen versuchte sie Schritt zu halten. Die einzige die Spaß hatte war Klondieke. Sie jagte Heuschrecken und pflückte Blumen. 

„Nun stell dich nicht so an, Zwerg. Ich kann in der Ferne den Fluss sehen, dort schlagen wir unser Lager auf und zum Essen gibt es Fisch!" sagte der Alb aufmunternd und ging weiter. "Ja und dort ersäufe ich dich." brummte die Zwergin. Fortingas war ein guter Bogenschütze, doch wenn es darum ging Arbeiten aus zu führen oder etwas zu tragen, das kein Bogen war hatte er sich gedrückt.

Als die Zwerge Fortingas eingeholt hatten, konnten auch sie durch das hohe Schilf das glitzernde Wasser sehen. Der Alb hatte angefangen Steine für eine Feuerstelle zu suchen und legte einen Kreis. Tyrella schob das Gras zur Seite und jubelte „Wasser, endlich ein Bad!!" Sie nahm Klondieke an der Hand, ging einige Schritt flussabwärts und verschwand in dem Schilf. Wallungur hatte einen langen Ast abgeschnitten und schnitzte sich einen Speer um zu Fischen, Fortingas stand bereits am Ufer und spannte seinen Bogen. Er hatte eine Schnur an einen Pfeil gebunden um ihn wieder aus dem Wasser zurück holen zu können. Als Wallungur seinen Speer fertig hatte gesellte er sich zu dem Alb, der wild ins Wasser schoss. „Hör auf damit, du verjagst ja alles was im Wasser schwimmt. Geh und sammle Feuerholz." Nur widerwillig folgte Fortingas den Anweisungen.

Tyrella hatte dem Mädchen die Kleider ausgezogen und an einer seichten Stelle des Flusses ins Wasser gesetzt. Sie wusch den zarten Leib des Kindes und die langen Haare, die immer noch die silbergraue Farbe hatten. Doch das war nicht das einzige das der Zwergin auffiel. Die Haut des Mädchens war immer noch weiß. Obwohl Klondieke immer der Sonne ausgesetzt war und an sehr warmen Tagen sogar mit bloßem Oberkörper herum gelaufen war, hatte sie keine Farbe angenommen. Tyrella holte das Kind aus dem Fluss und drückte alles Wasser aus den Haaren des Kindes. Sie kleidete das Kind an und flocht die Eisenringe in ihre Haare.

Als sie mit der Kleinen wieder zu den Männern zurück kehrte, garten sechs große Forellen und zwei kleine Rotaugen über dem Feuer. „Die Forellen sehen aber lecker aus." lobte Tyrella, worauf Wallungur stolz seinen Kopf hob. Als sie gegessen hatten meinte der Zwerg, dass er nun etwas im Wasser entspannen wollte. Er nahm seine Pfeife, Tabak und ein Stück glühende Holzkohle. Dann ging er zu der seichten Stelle am Fluss.
Tyrella versorgte ihre Wunde am Bein, Klondieke saß neben ihr und nagte die Gräten ab. Als sie den Verband angelegt hatte, merkte sie das Fortingas sie anschaute. „Was glotzt du so? Hast du noch nie eine Pfeilwunde gesehen? Das sollte dir doch bekannt sein." knurrte sie und schob das Hosenbein wieder herunter. Fortingas schaute ihr in die Augen. „Ich denke ich habe bewiesen dass ich keinen Verrat im Schilde führe." sagte er und versuchte verzweifelt den Fischtran von seinen Händen ab zu wischen. Die Zwergin schaute ihn herablassend an. „Alb bleibt Alb." knurrte sie und warf den alten Verband ins Feuer. 

Fortingas schaute in die Flammen und suchte nach Worten, dann sagte er: „Ich weiß die Nachtalben haben deinen Gemahl getötet, aber ich habe nie meinen Bogen gegen Zwerge erhoben. Außerdem sollte eine Zwergin wie du ohne Probleme einen neuen Mann finden können." Er glaubte sie mit Schmeicheleien etwas milder zu stimmen, doch er erreichte das Gegenteil. „Du verdammtes Langohr. Du weißt gar Nichts. Nie werde ich mich wieder Vermählen, weil ich keine Kinder gebären kann oder glaubst ein Bauer würde einen unfruchtbaren Boden kaufen?" fauchte sie ihn an. Der Alb senkte den Kopf, seine Worte taten ihm nun leid. Auf seine Frage ob es ganz sicher sei das es an ihr läge, erwiderte sie: „Während meiner Ehe konnte ich nicht schwanger werden. Wie sehr ich auch zu Adamas gebetet habe, der Wunsch auf Kinder blieb mir versagt."
„Ist dir denn nie in den Sinn gekommen, dass es nicht an dir liegen könnte, sondern dass dein Gemahl nicht fähig war Kinder zu zeugen? Darum haben die Nachtalbe das Recht der Annullierung. Sollte ein Mann sich als unfähig erweisen hat die Frau das Recht sich einen anderen Partner zu nehmen." Als Tyrella das hörte, musste sie laut lachen. „Das sind ja schöne Sitten. Aber wir sind Zwerge und keine boshaften Kreaturen."  Sie schaute den Alb durchdringend an. „Ich werde auch ein Bad nehmen, etwas das ich dir auch empfehlen würde Alb. Achte auf das Kind, kommst du auf dumme Gedanken werde ich dich finden." „Daran zweifle ich nicht. "sagte Fortingas und holte Klondieke zu sich.


 Die Zwergin ging zu der Stelle wo sie das Kind gebadet hatte. Sie wollte gerade durch das Schilf treten, als sie Wallungur erblickte. Er saß im Wasser und nur sein nackter Oberkörper war zu sehen. Während Tyrella ihn beobachtete regte sich etwas in ihr. Seine breiten Schultern, die muskulösen Arme und auch sonst alles an ihm, weckten in ihr ein Verlangen das sie schon lange nicht mehr gefühlt hatte. Leise trat sie durch das Schilf hindurch.  


Wallungur saß, mit geschlossen Augen, im warmen Wasser und ließ sich von der schwachen Strömung die müden Glieder massieren. Plötzlich merkte er eine Bewegung im Wasser und schreckte auf. Er glaubte zu träumen, vor ihm stand Tyrella. Völlig entkleidet, bis zu den Hüften im Wasser. Ihre roten Haare schimmerten in der Abendsonne und bedeckten ihre wohlgeformten Brüste. Der Jäger wusste nicht was er sagen sollte, sein Kinn sackte nach unten und seine Pfeife versank zischend im Wasser. Sie stützte ihre Hände auf ihre Taille „Was starrst du so? Willst du etwa sagen das ich unförmig bin oder zu mager?" fragte sie in einem gespielt beleidigtem Ton. Wallungur fehlten immer noch die Worte. Auf seinem Hintern rutschte er zum Ufer hin. Immer darauf achtend, das sie nur seine Vorderseite sah. Er wollte vermeiden dass sie seinen vernarbten Rücken sah, denn das würde ihn als verbannten entlarven. Dieser Gedanke machte ihm mehr Sorgen, als die Tatsache, dass er immer noch unberührt war. Doch ihr momentanes Verhalten machte deutlich dass sie nichts ahnte. Als der Zwerg das Wasser verlassen hatte, bedeckte er seine Scham mit den Händen und eilte zu seinen Kleidern. Erst jetzt bemerkte Tyrella die Schamesröte im Gesicht des Jägers. Auf ihrem zuvor verständnislosem Gesicht machte sich ein spöttisches Grinsen breit „Soll das bedeuten deine Lanze hat noch nie ein Reh erlegt? Bei Adamas, der wilde Keiler ist noch ein Frischling!!" lachte sie laut und ließ sich mit dem Rücken ins Wasser fallen. Beleidigt und beschämt verschwand Wallungur im Schilf. Er wollte weg und allein sein.


Fortingas hatte Klondieke gezeigt wie man Blumenkränze bindet und sie ihr auf den Kopf gesetzt „Nun fehlen nur noch die die richtigen Ohren." lachte er. „Ich würde sie ihr eigenhändig abschneiden." zischte Tyrella und setzte sich ans Feuer. Während sie in der Glut stocherte fragte sie, wo Wallungur sei. Der Alb zuckte mit den Schultern. „Wenn er nicht vom Fluss fort getragen wurde, legt er sicher Fallen aus. Dabei musste er an seine erste Begegnung mit den Zwergen denken und rieb sich sein Kinn. Bald war die Nacht vollends eingebrochen und die Sichel des Mondes stand hoch am Himmel. Wallungur war noch nicht zurückgekehrt und Tyrella begann sich Sorgen zu machen. Auch der Alb meinte, dass es an der Zeit sei ihn zu suchen. Als er dann fragte wann sie ihn zuletzt gesehen hatte, zog sie das Kind zu sich, hielt ihr die Ohren zu und erzählte was vorgefallen war. Fortingas rollte mit den Augen. „Und du nennst mich grausam und gefühllos? Bleibe du bei Klondieke, ich werde ihn suchen." Er warf sich seine Köcher mit Pfeilen über und nahm seinen Bogen, dann verschwand er in der Dunkelheit.

Wallungur saß unter einer Tanne und drehte sein Jagdmesser zwischen seinen Händen. Es war das Messer mit dem er Swanthe vor dem Mudrok gerettet hatte und es ihr bei ihrem ersten Treffen geschenkt hatte. Ihr Bruder hatte es ihm gegeben nachdem er verletzt und gedemütigt vor den Toren der Festung ausgesetzt worden war. Diese Waffe war das einzige Andenken das er an seine Geliebte hatte. Je mehr er an sie dachte, umso mehr war er überzeugt, dass er an ihrem Tod Schuld war. Hätte er sich geweigert sie weiterhin zu treffen, wäre sie nun mit einem Zwerg vermählt, den ihr Clan ausgesucht hätte. und vielleicht wäre sie sogar glücklich, aber ganz sicher am Leben. Plötzlich schreckte er hoch. Ohne dass er es gemerkt hatte stand Fortingas vor ihm „Hey komm zurück zum Lager. Es ist nicht sicher alleine im Wald." Wallungur nickte. „Hat Tyrella etwas gesagt?"fragte er mit besorgtem Blick. „Nur das sie dich verspottet hat und es scheint ihr Leid zu tun." Mit diesen Worten reichte der Alb dem Zwerg die Hand und half ihm auf die Beine. Wallungur atmete erleichtert auf. Sie hatte seine eindeutigen Narben nicht gesehen.

Als sie das Lager erreicht hatten, nahm Tyrella sie mit erhobenem Kriegshammer in Empfang. Als sie die beiden erkannte ließ sie die Waffe sinken. „Da seid  ihr ja endlich." sagte sie und setzte sich wieder neben Klondieke, die fest eingeschlafen war. Der Alb sagte, dass er die erste Wache übernehmen werde und begann die Umgebung zu sichern. Wallungur hatte sich schweigend auf sein Schlaflager gelegt und dem Feuer den Rücken zugekehrt. Tyrella kniete sich neben ihn und flüsterte ihm etwas in sein Ohr: "Es tut mir leid. Ich wollte dich nicht verspotten, bitte sei mir nicht mehr Böse." „Ist schon gut." sagte er. Die Zwergin streichelte seine langen Haare und gab ihm einen Kuss auf die Wange. Sie sah den starken und tapferen Jäger auf seinem Lager liegen. Doch die Tränen die er weinte während er an die Vergangenheit dachte, sah sie nicht.
Raziael/Überarbeitung: Rina Smaragdauge