Mittwoch, 5. März 2014

Kapitel 13 : Guter Rat ist teuer

Kapitel 13: Guter Rat ist teuer

"Hey, Zwergin! Du gehörst doch zu einem gewissen Wulfgast... Versuch gar nicht erst es zu leugnen, wir wissen dass ihr beiden zusammen in diese Stadt gekommen seid." Vor Überraschung vergass Camy in die Stulle zu beissen. "Ja, ich bin mit Wulfgast hier. Aber was ist denn eigentlich los?! Wo ist Wulfgast?"

Zwei Wachen traten auf die Zwergin zu: einer hakte sich links und der andere rechts bei der Schmiedin unter. "Kommt mit und mach kein Theater. Es geht ja auch nicht um dich sondern um deinen Begleiter." Camy folgte den Männern ins Stadtgefängnis. 

Für die Bewohner, für die Zwerge ohnehin schon ein seltener Anblick waren, war eine festgenommene Zwergin wahrlich ein Augenschmauss! Sie gafften und tuschelten, die Kinder liefen neben ihr her und streckten der Zwergin hämisch die Zunge heraus... Ausser einem schmächtigen Knaben in zerlumpften Kleidern, der der merkwürdig anmutenden Gruppe vorsichtig folgte...

Camy war es gewohnt, dass man über sie lästerte und hinter ihrem Rücken über sie redete, also machte sie ein versteinertes Gesicht, zog die Schultern zurück und ging mit stolzem, aufrechten Gang zwischen den Wachen zum städtischen Gefängnis. Sie wurde auf die Wachstube zu dem Hauptmann der Wache geführt. 

Der Hauptmann war ein dickbäuchiger Mann im mittleren Alter mit roter Nase und schütterem Haar. Streng, aber nicht unhöflich bedeutete er der Schmiedin Platz zu nehmen und befahl die Stadtwachen hinaus. Auf Camys fragenden Blick berichtete er, was vorgefallen war. 

Allerdings konnte er nur das weitergeben, was der Bäcker und die umstehenden Stadtbewohner den Soldaten erzählt hatten. Ungläubig starrte die Zwergin dem Hauptmann in die Augen. "Und das soll Wulfgast getan haben?! Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen." Sie schüttelte vehement den Kopf. "Nein, das glaube ich nicht. Wulfgast würde nicht einfach so auf jemanden losgehen. Schon gar nicht auf einen, der ihm körperlich unterlegen ist."

Der Hauptmann zuckte mit den Schultern: "Es ist aber so gewesen. So haben es die Zeugen berichtet. Ich hatte keine andere Wahl: ich muss ihn bis zu seiner Verhandlung in Gewahrsam nehmen. Schliesslich hat er dem Bäcker, einem ehrenwerten und angesehenen Bürger dieser Stadt, 3 Rippen gebrochen."

"Und nun? Was kommt als nächstes? Wulfgast und ich müssen weiter, denn wir haben einen sehr dringenden Auftrag für unser Clanoberhaupt zu erledigen." Die Zwergin meinte, einen gierigen und hinterhältigen Ausdruck über das Gesicht des Hauptmann gleiten gesehen zu haben. 

"Nun, bis der Richter wieder in der Stadt ist, dauert es 4 Wochen. Leider kann ich bis dahin den Zwerg nicht laufen lassen. Er ist nicht aus der Stadt und am Ende ist er über alle Berge... Und ich werde dann vermutlich meines Amtes enthoben....", er zögerte kurz, "Allerdings....Nun, eine Möglichkeit gäbe es noch, aber ich weiss nicht, wie ich es ausdrücken soll, ohne dass du mich missverstehst..."

'Nun, nenne schon das Kind beim Namen', dachte Camy, denn sie hatte sehr wohl verstanden, worauf der Hauptmann hinaus wollte. "Sagt es frei heraus. Ich werde es schon richtig verstehen." forderte sie ihn auf. 

"Nun ja, so eine kleine Spende für die Stadtwache könnte für einen kleinen Gedächtnisverlust sorgen und mich vergessen lassen, warum der Zwerg eigentlich einsitzt." Camy nickte wissend: "Und wie hoch ist üblicherweise die Spende?" "Nun, für 100 Goldstücke vergesse ich den Schlüssel aus dem Schloss zu ziehen und für 200 vergesse ich den Zwerg vollständig." grinste er unverschämt. 

Camy schluckte: selbst wenn sie so viel Gold bei sich hätte, würde sie es dem öligen Schmierlappen nicht in den Rachen werfen. Sie musste sich einen anderen Plan zu recht legen. "Bei solch einer hohen Summe muss ich erst einemal eine Nacht darüber schlafen. So viel Zeit muss sein. Aber kann ich in der Zwischenzeit Wulfgast sprechen und nachsehen, ob es ihm gut geht?"

Der Hauptmann nickt und führte Camy zu den Zellen. Die Zwergin prägte sich den Weg gut ein und besah sich die Umgebung genau. Bei Wulfgast angekommen beteuerte dieser sofort, dass alles ganz anders war, als es ihm vorgeworfen wurde. Er erzählte ihr eilig, dass er diesem Strassenjungen geholfen hatte und dass niemand die Wahrheit hören wollte. 

Camy nickte aufmunternd, denn so etwas in der Art hatte sie sich schon gedacht. Sie nahm vorsichtig seine Hand: "Keine Bange, ich hole dich hier raus. Hab nur ein klein Wenig Geduld."

Sie sah das Fenster, vor dem natürlich Gitter angebracht waren: für einen Zergen war es gross genug um durchzuschlüpfen.

Der Hauptmann begleitete die Schmiedin nach daraussen und verabschiedete sich höflich und mit einem verschwörerischem Zwinkern von ihr. Die Zwergin zwinkerte zurück und wünschte dem Mann insgeheim einen Dauerschluckauf an den Hals. Kurz bevor sie die Ausgangstür erreicht hatte, betrat ein Soldat den Raum und sie bemerkte, dass er Wulfgasts Axt mit sich trug. 

Sie blieb stehen und beobachtete, wie er sie nachlässig an die Wand lehnte und ins Zimmer nebenan ging. Rasch blickte sich Camy um: ausser ihr war niemand im Raum. Also griff sie sich die Waffe, versteckte sie unter ihrem Umhang und verliess hastig die Stadtwache. Wulfgast käme sich gewiss nackt vor ohne sie und hätte sich bestimmt geweigert, ohne sie aus der Stadt zu verschwinden. 

Unterwegs zur Schmiede reifte ein Plan in ihr. Sie griff sich Wulfgasts Sachen und versteckte sie ausserhalb der Stadt in einem dichten Gebüsch. Dann lief sie rasch in die Schmiede zurück, packte ihre eigenen Dinge zusammen und brachte sie ebenfalls in das Versteck.

Dann wartete sie auf die Nacht...

* * *
viel Spass beim Lesen und vielen Dank an Raziael für die Unterstützung und Ratschläge beim Schreiben. Eure Rina Smaragdauge
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